Die Generation Y verstehen

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Zu viele aus der Generation der Millennials wurden Opfer von „gescheiterten Erziehungsstrategien“. Ihnen wurde permanent gesagt, sie wären etwas ganz Besonderes. Ihnen wurde gesagt, dass sie alles im Leben haben können, wenn sie es nur wollen. Einige von ihnen kamen in Leistungskurse, nicht, weil sie es verdienten, sondern weil ihre Eltern sich dafür einsetzten. Einige von Ihnen bekamen gute Noten, nicht, weil sie sie verdienten, sondern weil die Lehrer sich nicht mit ihren Eltern abmühen wollten.

 
V or kurzem hat ein Video von Simon Sinek in den Sozialen Medien für Aufregung gesorgt. Darin erklärt er seinem Interviewpartner, warum die Vertreter der Generation Y (aka „Millennials“), mit denen viele Ältere Probleme haben, sind, wie sie eben sind. Simon Sinek ist der Autor des Bestsellers „Start with Why“ sowie des gleichnamigen TED-Talks, der zu den meistgesehenen überhaupt zählt.

Mich persönlich hat das Interview beeindruckt, nicht zuletzt auf Grund der Zuschauerreaktionen. Man hat den Eindruck die anwesenden Vertreten der Generation Y fangen fast zu weinen an, weil sie sich zum ersten Mal so richtig selber verstehen. Für alle diejenigen, die lieber lesen als Videos anschauen, habe ich die wichtigsten Punkte im Folgenden zusammengefasst.

 

Warum sind Millennials anders?

 

„Wie es aussieht sind Millennials, also Menschen, die um 1984 und danach geboren wurden, schwierig zu führen. Ihnen wird vorgeworfen anspruchsvoll und narzisstisch, egoistisch, unkonzentriert und faul zu sein.

Führungskräfte fragen „Was wollt ihr?“. Und die Millennials antworten „Wir wollen an einem Platz arbeiten, der uns Sinn vermittelt, wir wollen etwas bewirken, wir wollen gratis Essen und Sitzsäcke im Büro.“ Und dennoch sind sie nicht zufrieden, wenn man ihnen all das zugesteht. Es gibt nämlich etwas, das fehlt.

Dieses Etwas lässt sich auf vier Punkte herunterbrechen: 1. Erziehung, 2. Technologie, 3. Ungeduld, 4. Umwelt

 

Was ist bei der Erziehung der Millennials falsch gelaufen? 

 

„Zu viele aus der Generation der Millennials wurden Opfer von „gescheiterten Erziehungsstrategien“. Ihnen wurde permanent gesagt, sie wären etwas ganz Besonderes. Ihnen wurde gesagt, dass sie alles im Leben haben können, wenn sie es nur wollen. Einige von ihnen kamen in Leistungskurse, nicht, weil sie es verdienten, sondern weil ihre Eltern sich dafür einsetzten. Einige von Ihnen bekamen gute Noten, nicht, weil sie sie verdienten, sondern weil die Lehrer sich nicht mit ihren Eltern abmühen wollten. Einige Kinder bekamen Auszeichnungen nur dafür, dass sie teilnahmen, manche bekamen sogar eine Medaille fürs Zuspätkommen. Wir wissen aber, und das sagt auch die Wissenschaft, dass das die Anerkennung für all jene entwertet, die hart gearbeitet haben. Und das wiederum beschämt den Zuspätkommer, weil er ja weiß, dass er die Anerkennung nicht verdient hat. Damit fühlt auch er sich schlechter.

Wenn diese Leute dann ihren Abschluss machen und ins echte Leben gestoßen werden, merken sie sofort, dass sie gar nicht so besonders sind. Sie merken, dass Mama nicht dafür sorgen kann, dass sie befördert werden. Sie merken, dass du nichts fürs Zuspätkommen bekommst. Und abgesehen davon, du bekommst nicht alles, nur, weil du es möchtest. In kürzester Zeit ist ihr Selbstbild zerstört. Daher haben wir eine ganze Generation, die mit einem geringen Selbstbewusstsein heranwächst als frühere Generationen.“

 

Die heile Welt der Sozialen Medien

 

„Hinzu kommt noch, dass wir in einer Facebook / Instagram-Welt aufwachsen. Anders gesagt, wir sind gut darin Dinge zu filtern. Wir sind unglaublich gut darin anderen Menschen zu zeigen, dass das Leben wunderbar ist, auch wenn wir in Wahrheit niedergeschlagen sind.

Jeder macht auf harten Macker, und jeder tut so, als hätte er alles im Griff, als wisse er, wie der Hase läuft. In Wirklichkeit sind die allermeisten keine toughen Mädels und Jungs, und sie haben auch nicht alles im Griff.“

 

Die Auswirkungen der Technologie

 

„Nehmen wir jetzt die Technologie dazu. Wir wissen, dass bei Social Media-Aktivitäten und wenn wir mit unseren Smartphones herumspielen eine chemische Substanz namens Dopamin ausgeschüttet wird. Das ist auch der Grund dafür, dass es sich gut anfühlt, wenn wir eine Nachricht erhalten. In einer Harvard-Studie aus dem Jahr 2012 haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass das Posten über einen selber ein Lustempfinden auslöst, das vergleichbar mit dem ist, das durch Nahrung, Geld oder Sex ausgelöst wird. Das ist der Grund, warum wir Likes zählen. Das ultimative Trauma ist es in den Sozialen Medien unfriended zu werden. Wir wissen, dass es sich gut anfühlt, wenn wir Aufmerksamkeit bekommen. Wir spüren das Dopamin, es fühlt sich gut an, daher machen wir es immer wieder. Dopamin ist exakt die gleiche chemische Substanz, die dazu führt, dass wir uns gut fühlen, wenn wir rauchen, wenn wir Alkohol trinken und wenn wir wetten und Glücksspiele spielen. Mit anderen Worten, sie ist hochgradig süchtig machend.

 

Ein Vergleich mit Alkohol

 

„Wir haben Altersbeschränkungen für das Rauchen, Trinken und Spielen, aber wir haben keine Altersbeschränkungen für soziale Medien und Smartphones. Das ist als würden wir den Spirituosenschrank öffnen und unseren Kindern sagen „Ach übrigens, wenn ihr Probleme mit dieser Pubertäts-Sache habt – bedient euch!“

Eine ganze Generation hat gerade Zugang über Smartphones und Soziale Medien zu einer süchtig machenden, betäubenden Chemikalie namens Dopamin, während sie durch den Stress der Pubertät gehen.“

Warum ist das wichtig? Fast jeder Alkoholiker hat den Alkohol als Teenager für sich entdeckt. Wenn wir noch klein sind, brauchen wir nur die Bestätigung durch unsere Eltern. In der Pubertät machen wir einen Wandel durch, und plötzlich brauchen wir die Bestätigung durch Gleichaltrige. Das ist sehr frustrierend für manche Eltern und gleichzeitig sehr wichtig für die Jugendlichen. Dadurch können wir uns außerhalb unserer eigentlichen Familie in den größeren Stammesverband eingliedern. Gleichzeitig ist das eine extrem stressige Phase unseres Lebens, voll von Ängsten, in der wir lernen sollten und auf unsere Freunde zu verlassen.

Einige Jugendliche entdecken den Alkohol für sich, beginnen die betäubende Wirkung des Dopamins zu schätzen um besser mit den Belastungen und Ängsten des Erwachsenwerdens fertig zu werden. Unglückicherweise verdrahtet sich das fest in ihren Gehirnen, und für den Rest ihres Lebens wenden sie sich nicht an Menschen, wenn sie Probleme und Stress haben, nein, sie greifen zur Flasche. Sozialer Stress, finanzieller Stress Karrierestress, das sind die wichtigsten Gründe, warum ein Alkoholiker trinkt. Und weil wir heute den uneingeschränkten Zugang zu Smartphones und Medien zulassen, verdrahtet sich auch das in den Gehirnen der Heranwachsenden. Wenn sie dann älter werden erkennen wir, dass viele dieser Kids nicht wissen, wie man tiefgehende, bedeutungsvolle Beziehungen aufbaut.“


 
S ie geben zu, dass sie nicht auf ihre Freunde zählen, und dass sie sich nicht auf ihre Freunde verlassen. Sie haben Spaß mit ihren Freunden, aber sie wissen auch, dass ihre Freunde sie im Stich lassen, wenn sie jemand besseren finden. Sie gehen keine tiefgehenden, bedeutungsvollen Beziehungen ein, weil sie das nie geübt haben, und weil sie keine Bewältigungsmechanismen für Stress haben. Wann immer es stressig wird in ihrem Leben, wenden sie sich nicht an eine Person, sie wenden sich an ein Gerät, sie wenden sich den sozialen Medien zu. Sie wenden sich Dingen zu, die eine vorübergehende Linderung und Ablenkung bieten.

Wenn diese Dinge eine gewisse Balance aufweisen, dann sind sie nicht schlecht. Alkohol ist nicht schlecht, zu viel Alkohol ist schlecht. Wetten und Glücksspiel machen Spaß, zu viel davon ist gefährlich. Soziale Medien und Smartphones sind nicht das Problem, das Ungleichgewicht ist das Problem.“

 

Bin ich selber schon süchtig?

 

„Wenn du mit deinen Freunden beim Abendessen sitzt und jemandem eine SMS schickst, der nicht dabei ist – das ist ein Problem. Das ist eine Form von Sucht. Wenn du in einem Meeting sitzt mit Leuten, mit denen du sprechen und denen du zuhören solltest, und du legst dein Smartphone auf den Tisch, dann sendest du eine unterbewusste Nachricht in den Raum „Ihr seid gerade nicht so wichtig.“ Die Tatsache, dass du dein Telefon nicht weglegen kannst, zeigt, dass du süchtig bist.

Wenn du morgens aufwachst und einen Blick auf dein Telefon wirfst bevor du deiner Freundin, deinem Freund oder deinem Ehepartner einen guten Morgen wünschst, dann bist du süchtig. Und wie alle Süchte wird sie mit der Zeit Beziehungen kaputt machen, Zeit und Geld kosten und dein Leben insgesamt belasten.“

 

Und dann auch noch Ungeduld

 

„Jetzt kommt noch die Ungeduld dazu. Sie sind in einer Welt der sofortigen Befriedigung ihrer Bedürfnisse aufgewachsen. Du willst etwas kaufen, also gehst du auf Amazon, und du hast es am nächsten Tag. Du willst dir einen Film ansehen, log dich ein und sieh ihn dir an. Du schaust nicht ins Kinoprogramm. Du möchtest dir eine Fernsehserie ansehen, dann zieh sie dir rein. Du musst noch nicht mal von Woche zu Woche warten. Viele Menschen lassen Folgen aus, damit sie sich später die ganze Serie auf einmal reinziehen können.

Du möchtest mit einem Jungen oder Mädchen ausgehen? Heute musst du noch nicht mal lernen, wie man sich beim ersten Date benimmt. Du musst dich nicht mehr unwohl dabei fühlen ja zu sagen, wenn du nein meinst, und nein wenn du ja meinst. Wisch bei Tinder nach rechts, erledigt, du bist der Star!

Du kannst alles, was du willst, unmittelbar haben. Ausgenommen Zufriedenheit mit deiner Arbeit und belastbare Beziehungen. Dafür gibt es keine Abkürzung. Dazu musst du einen langsamen, gewundenen, unangenehmen und unordentlichen Prozess durchlaufen.

Millennials sind wundervolle, idealistische und hart arbeitende Kids, die eben mit Schule oder Uni fertig geworden sind und gerade in ihrem ersten Job stecken. Und wenn du sie fragst „wie geht’s?“, dann sagen sie „Ich glaube ich haue den Hut drauf“. Und wir fragen „Warum?“ und sie sagen „Ich kann hier nichts bewirken“. Worauf wir sagen „Du bist doch erst seit acht Monaten hier…“

 

Am Fuß eines Berges

 

„Es ist, als ob sie am Fuß eines Bergs stehen, und sie haben dieses abstrakte Konzept etwas in der Welt bewirken zu wollen, und das ist der Gipfel des Bergs. Aber sie sehen den Berg nicht. Es ist ganz egal, ob man rauf läuft oder gemächlich raufgeht, aber da ist immer noch ein Berg. Was diese junge Generation lernen muss ist Geduld. Sie muss lernen, dass einige Dinge, die wirklich, wirklich wichtig sind, wie Liebe, Erfüllung im Beruf, echte Freude, Liebe zum Leben, Selbstvertrauen oder etwas wirklich zu können, dass jedes dieser Dinge Zeit braucht. Manchmal lässt sich etwas beschleunigen, allerdings ist der Weg insgesamt eine anstrengende und lange und schwierige Reise. Wenn du nicht um Hilfe bittest und dir die notwendigen Fähigkeiten erwirbst, dann wirst du scheitern, du wirst vom Berg stürzen.“

 

Best Case und Worst Case

 

„Im schlimmsten Fall werden wir eine Steigerung der Selbstmordrate in dieser Generation sehen, wir werden eine Steigerung der Todesfälle durch Drogen sehen, wir werden immer mehr Kinder sehen, die aufgrund von Depressionen die Schule abbrechen. Das gab es bislang nicht, und das ist wirklich schrecklich.“

Im besten Fall werden wir eine ganze Generation sehen, die während sie aufwächst und durchs Leben geht nie wirkliche Freude empfindet. Sie werden nie tiefe Erfüllung in der Arbeit oder im Leben finden. Sie werden einfach durchs Leben treiben und alles wird einfach nur „o.k.“ sein. „Wie geht’s dir in der Arbeit?“, „Ganz o.k., so wie gestern…“. „Wie ist deine Beziehung?“, „Ganz o.k…“ Und das ist noch eine Best-Case Szenario…“

 

Die Verantwortung der Unternehmen

 

„Damit komme ich zum vierten Punkt, das ist die Umwelt. Wir nehmen diese tolle Gruppe junger, fantastischer Kids, die einfach nur Pech hatten – und sie können wirklich nichts dafür -  und stecken sie in Unternehmensumgebungen, die sich mehr für Zahlen interessieren als für diese Kids. Sie achten mehr auf kurzfristige Gewinne als auf das Leben dieser jungen Menschen. Wir achten mehr auf das Jahr als auf das Leben. Wir setzen sie in Unternehmensumgebungen, die ihnen nicht dabei helfen Selbstvertrauen zu entwickeln. Die ihnen nicht helfen die Fähigkeit der Zusammenarbeit zu erlernen. Die ihnen nicht helfen die Herausforderungen der digitalen Welt zu meistern und mehr Balance zu finden. Die ihnen nicht helfen das Sehnen nach unmittelbarer Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu überwinden, und sie nicht lehrt, wie man Freude und Erfüllung dadurch erfährt, dass man hart und für eine lange Zeit an etwas arbeitet, dass sich nicht in einem Monat oder auch in einem Jahr nicht erledigen lässt.

Und das schlimmste ist, dass sie denken es läge an ihnen. Sie geben sich selber die Schuld. Das macht alles noch schlimmer. Es ist das totale Fehlen von guter Führung in unserer heutigen Welt, das sie so fühlen lässt, wie sie fühlen. Sie hatten einfach Pech, und es ist die Verantwortung der Unternehmen mit dem Problem umzugehen und ganz besonders hart zu arbeiten. Wege zu finden um ihr Vertrauen zu stärken, und um ihnen die sozialen Kompetenzen zu lernen, die sie bisher versäumt haben zu lernen.“

 

Erwachsener Umgang mit Smartphones

 

In Meetingräumen sollte es keine Smartphones geben. Wenn wir darauf warten, dass ein Meeting losgeht, dann sollten wir statt mit gesenkten Köpfen unsere Telefone zu benutzen, darauf achten Beziehungen aufzubauen. Wir sollten persönliche Fragen stellen. „Wie geht’s deinem Vater? Ich habe gehört er ist im Krankenhaus.“ “Ihm geht’s wieder besser. Nett, dass du fragst. Er ist schon wieder zuhause.” “Oh, das freut mich.” “Weißt du, einige Zeit haben wir uns große Sorgen gemacht.” So baut man Beziehungen auf. „Hey, hast du den Bericht schon fertig?“ “Nein, habe ich total vergessen.” „Hey, kann ich dir helfen? Lass mich dir helfen.“ “Wirklich? Danke!” So entsteht Vertrauen. Vertrauen entsteht nicht bei einem Event und an einem Tag. Es braucht langsam, stetige Konsistenz, und wir müssen dafür sorgen, dass mehr dieser kleinen und harmlosen Interaktionen stattfinden können.

Wenn wir mit Freunden ausgehen, dann lassen wir unsere Handys zuhause. Wen sollten wir auch anrufen? Vielleicht nimmt einer ein Telefon mit, falls wir ein Taxi brauchen. Es ist wie bei einem Alkoholiker. Der Grund warum man den Alkohol aus dem Haus schafft ist, dass wir unserer Willenskraft nicht trauen können. Wir sind schlicht nicht stark genug. Wenn man aber die Versuchung wegnimmt, dann wird es einfacher. Wenn du sagst „Schau nicht auf dein Telefon“, dann gehen die Leute aufs WC. Und was ist das erste, das wir machen? Wir schauen aufs Telefon.

Wenn Du kein Telefon dabeihast, dann schaust du dir einfach die Welt an. Und dann kommen auch die guten Ideen. Gute Ideen und Innovation entstehen nicht bei permanenter Beschäftigung. Ideen entstehen, wenn unser Geist wandert und wir etwas sehen: “Ich wette die könnten das machen…” Das nennt man Innovation. Sie passiert aber nicht, wenn wir diese kleinen Momente nicht zulassen.

Keiner von uns sollte sein Telefon neben dem Bett aufladen. Wir sollten unsere Telefone im Wohnzimmer aufladen. Nimm die Versuchung weg. Wir wachen mitten in der Nach auf, weil wir nicht schlafen können, dann kannst du nicht aufs Telefon schauen und dann noch weniger schlafen. Es ist ja im Wohnzimmer. Manche sagen jetzt „Aber das Handy ist mein Wecker.“ Kauf dir einen Wecker. Kostet acht Euro.“